Unabhängiger Ratgeber zur Altersvorsorge in Deutschland
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Altersvorsorge für Deutschland, ab 45

Vorsorge, die trägt, solange es nötig ist.

Ein nüchterner Leitfaden zur Altersvorsorge in Deutschland. Gesetzliche Rente, betriebliche Vorsorge, ETF-Sparplan und Inflationsschutz. Klare Zahlen, belastbare Quellen, keine Werbung.

~53 %
Rentenniveau vor Steuern (Stand 2025, DRV)
21,9
Restlebenserwartung Frauen mit 65 (Destatis)
€2,1 Bio.
Gesamtvermögen private Altersvorsorge DE
Frau Ende 50 prüft Rentenunterlagen am Küchentisch
22Jahre
Durchschnittliche Restlebenserwartung mit 65 (Frauen, Destatis). Planung muss das Ende abdecken.

Redaktioneller Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Sie stellen keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Für individuelle Entscheidungen ziehen Sie eine in Deutschland zugelassene Beraterin oder einen Berater hinzu.

Live

Nachrichten zur Altersvorsorge.

Aktualisiert 17:21
Das Gerüst

Jede deutsche Altersvorsorge ruht auf drei Säulen.

Die meisten Menschen kennen ihren Renteneintritt. Wenige verstehen, wie gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge zusammen das Arbeitseinkommen ersetzen sollen.

Gesetzliche Rente
Säule I

Gesetzliche Rente

Umlagefinanziert, Pflichtbeiträge über das Erwerbsleben. Deckt eine Grundlage, nach aktuellem Stand rund 48 bis 53 Prozent des letzten Nettos vor Steuern. Wird für viele nicht ausreichen.

Pflichtbasis
Betriebliche Vorsorge
Säule II

Betriebliche Vorsorge

Direktversicherung, Pensionskasse, Unterstützungskasse oder Direktzusage. Steuer- und sozialversicherungsfrei in der Ansparphase, nachgelagert besteuert im Ruhestand. Oft mehrere Anwartschaften über verschiedene Arbeitgeber.

Arbeitgeberbasis
Private Vorsorge
Säule III

Private Vorsorge

Riester, Rürup, private Rentenversicherungen, ETF-Sparplan, Immobilien. Die flexible Säule. Auch die Säule, die für die meisten den Unterschied zwischen einfachem und auskömmlichem Ruhestand macht.

Eigeninitiative
Älteres Paar auf einem Küstenweg
Essay

Wie lange muss eine Rente eigentlich reichen?

Wer heute in Deutschland mit 65 in Rente geht, hat im Schnitt rund 20 Jahre vor sich. Bei Frauen sind es etwa 22, bei Männern 18. Der Mittelwert verdeckt das eigentliche Risiko. Jede vierte Rentnerin erreicht den neunzigsten Geburtstag.

Plane für die Randwahrscheinlichkeit, nicht für den Mittelwert. Das verändert jede weitere Entscheidung.

Diese Tatsache verschiebt fast jede andere Frage:

  • Wie hoch darf die jährliche Entnahme aus dem Vermögen sein
  • Wann lohnt sich der Aufschub der gesetzlichen Rente
  • Wie viel Aktienquote bleibt nach dem Arbeitsleben vertretbar
  • Wann ist eine Verrentung sinnvoll, wann nicht
  • Wie lässt sich zwei Jahrzehnte Inflation absichern

Die aus den USA bekannte Vier-Prozent-Regel beruht auf US-Marktdaten über mehr als hundert Jahre. Andere Steuersysteme, andere Anleiherenditen, anderes Inflationsverhalten. Für Deutschland braucht es eine eigene Kalibrierung. Die Größenordnung ist oft niedriger, nicht höher.

In Zahlen

Der Ruhestand in Deutschland heute.

18,2
Jahre Restlebenserwartung Männer ab 65 (Destatis)
21,9
Jahre Restlebenserwartung Frauen ab 65 (Destatis)
48 %
Rentenniveau vor Steuern, Sicherungszusage bis 2039 (BMAS)
~25 %
Wahrscheinlichkeit, mit 65 das 90. Lebensjahr zu erreichen
Werkzeug

Der ETF-Sparplan in der Vorsorge.

Ein breit gestreuter Indexfonds, in kleinen monatlichen Beträgen angespart, ist das schlichteste brauchbare Instrument für die dritte Säule. Keine Wunder, keine Garantien. Nur Diversifikation, niedrige Kosten und Zeit.

Ein MSCI-World-ETF bildet rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab. Wer zusätzlich Schwellenländer abdecken möchte, kombiniert mit einem MSCI-Emerging-Markets-ETF im Verhältnis etwa 70 zu 30 oder nutzt einen FTSE-All-World-ETF in einer einzigen Position.

Was an einem ETF-Sparplan gut altersvorsorgetauglich ist: automatisierbar, günstig (laufende Kosten unter 0,3 Prozent sind üblich), steuerlich einfach (Abgeltungsteuer plus Sparerpauschbetrag, Teilfreistellung bei Aktienfonds), jederzeit anpassbar. Was problematisch ist: im Crash muss man durchhalten, und das letzte Jahrzehnt vor Ruhestand verlangt eine Umschichtung, damit ein Markteinbruch nicht genau dann den Plan zerreisst.

Thema

KI-Aktien und KI-ETFs: eigener Platz in der Vorsorge.

Künstliche Intelligenz prägt seit 2022 die Börsenberichterstattung. Der Morningstar Global Next Generation Artificial Intelligence Index legte in den zwölf Monaten bis Januar 2026 rund 41 Prozent zu. Viele Sparer fragen: Gehören KI-Aktien in die Altersvorsorge, und wenn ja, wie viel?

Die Kurzantwort: ja, aber dosiert, und meistens schon automatisch. Jeder breite MSCI-World- oder FTSE-All-World-ETF enthält Nvidia, Microsoft, Alphabet, Meta und Apple mit substanziellem Gewicht. Wer zusätzlich einen reinen KI-ETF wie XAIX, WTAI oder GOAI aufnimmt, fügt Konzentration zu, nicht Abdeckung.

Zum ausführlichen Leitfaden: KI in der Altersvorsorge
Steuer

Abgeltungsteuer und Freistellungsauftrag.

Kapitalerträge in Deutschland werden pauschal mit 25 Prozent Abgeltungsteuer belegt, dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Effektiv liegt die Belastung bei etwa 26,4 bis 28 Prozent.

Jeder Person steht ein Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro zu, bei gemeinsam veranlagten Ehepartnern 2.000 Euro. Ein Freistellungsauftrag bei der Depotbank sorgt dafür, dass Kapitalerträge bis zu dieser Höhe nicht besteuert werden. Bei mehreren Banken ist der Betrag zu verteilen.

Bei Aktienfonds und Aktien-ETFs greift zusätzlich die Teilfreistellung von 30 Prozent, das heißt 30 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei. Die effektive Steuerbelastung auf Aktien-ETFs liegt dadurch bei etwa 18,5 Prozent, nicht bei 26,4.

Inflation

Der leise Gegner.

Zwischen 2021 und 2024 stieg die Inflation im Euroraum zeitweise auf über zehn Prozent und hat sich erst allmählich zurückgebildet. Zwei Jahre mit durchschnittlich acht Prozent kosten eine feste Rente dauerhaft rund fünfzehn Prozent Kaufkraft. Diese Kaufkraft kommt nicht zurück, auch wenn die Inflation später auf zwei Prozent fällt.

Klassische Instrumente dagegen: inflationsgebundene Anleihen, Sachwerte wie Aktien und Immobilien, flexible Entnahmestrategien statt starrer Nominalrenten, späterer Bezug der gesetzlichen Rente (dort gibt es Zuschläge für Aufschub).

Häufige Fragen

Fragen, die vor der Vorsorgeplanung aufkommen.

Kurze, praktische Antworten zu den zehn häufigsten Fragen.

Ab welchem Alter sollte ich mit der Altersvorsorge beginnen?
So früh wie möglich, aber nie zu spät. Zwischen 45 und 50 ist der häufigste Einstieg in ernsthafte Planung: Einkommen meist nahe Spitze, Zeit für Zinseszins noch ausreichend. Vor 30 reicht oft ein niedriger ETF-Sparplan, zwischen 30 und 45 steigt die monatliche Notwendigkeit deutlich.
Wie viel Rente brauche ich später?
Eine gängige Richtgrösse sind 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Der konkrete Betrag hängt von Wohnsituation (Eigentum oder Miete), Gesundheit, Wohnort und Lebensstil ab.
Ist Riester noch sinnvoll?
Für bestimmte Gruppen ja: Familien mit mehreren Kindern durch die Zulagen, Besserverdienende durch den Sonderausgabenabzug. Für viele andere überwiegen die Kostennachteile und die eingeschränkte Flexibilität. Eine Einzelfallprüfung ist notwendig.
ETF oder private Rentenversicherung?
ETF-Sparplan: niedrigere Kosten, maximale Flexibilität, keine Garantie. Rentenversicherung: lebenslange Zahlung, Absicherung gegen Langlebigkeit, höhere Kosten. Eine Kombination ist oft sinnvoller als das Entweder-oder.
Welcher ETF für die Altersvorsorge?
Ein breit gestreuter Aktien-ETF wie MSCI World oder FTSE All-World, thesaurierend, mit laufenden Kosten unter 0,3 Prozent, bei einem günstigen Broker in Deutschland bespart. Ein einziger Fonds reicht als Kern.
Sollte ich KI-Aktien für die Rente kaufen?
Breite Welt-ETFs enthalten bereits Nvidia, Microsoft und Alphabet mit hohem Gewicht. Ein reiner KI-ETF ist als kleine Satellitenposition (5 bis 10 Prozent des Aktienanteils) vertretbar, als Kern der Altersvorsorge nicht. Details dazu im eigenen Kapitel KI in der Altersvorsorge.
Immobilie als Altersvorsorge, ja oder nein?
Eigenes Wohneigentum senkt die Wohnkosten im Alter und schafft Sicherheit. Als reines Renditeobjekt ist eine Immobilie dagegen illiquide, klumpenanfällig und regional risikobehaftet. Sie ergänzt andere Vorsorge, ersetzt sie selten.
Was ist das Sequence-of-Returns-Risiko?
Das Risiko, dass schwache Jahre zu Beginn der Rentenphase den Vermögensstock dauerhaft beschädigen, weil Entnahmen aus einem gefallenen Portfolio erfolgen. Fünf Jahre vor und nach dem Ruhestand sollte die Allokation defensiver werden.
Sollte ich meine gesetzliche Rente aufschieben?
Jeder Monat Aufschub bringt 0,5 Prozent mehr Rente, dauerhaft. Der rechnerische Break-even liegt meist Ende siebzig. Der Aufschub lohnt sich besonders bei guter Gesundheit, anderen Einkünften und höherer Steuerbelastung heute als später.
Kann ich in einem anderen EU-Land in Rente gehen?
Ja. Die EU-Regelungen koordinieren Sozialversicherung und Gesundheitsversorgung zwischen Mitgliedstaaten. Steuerliche Ansässigkeit, Doppelbesteuerungsabkommen und die Portabilität der Rente sind vor dem Umzug zu prüfen.
Zum Schluss

Lesen ist der Anfang.

Wer bis hierher gelesen hat, weiss mehr als der Durchschnitt. Der nächste Schritt ist kein Produktabschluss, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Säulen sind bei mir schon belegt, welche fehlen, wie gross ist meine eigene Lücke. Die meisten Fehler in der Altersvorsorge entstehen nicht durch falsche Produkte, sondern dadurch, dass nie eine Gesamtsicht erarbeitet wurde.

Dieser Text ersetzt keine Beratung. Für die Umsetzung lohnt sich ein Gespräch mit einer in Deutschland zugelassenen Honorarberaterin oder einem Honorarberater (nach Paragraph 34h GewO), die auf Honorarbasis und nicht auf Provision beraten.