Seit 2022 ist Künstliche Intelligenz das dominierende Thema an den Aktienmärkten. Für Sparerinnen und Sparer lautet die Frage: Gehört KI in ein Altersvorsorgedepot, und wenn ja, wie viel. Dieser Leitfaden beantwortet sie ohne Hype.
Redaktioneller Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung einzelner Produkte dar. Die genannten ETFs und Aktien sind Beispiele, keine Kaufempfehlung.
Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 haben Aktien aus dem Umfeld der Künstlichen Intelligenz zweistellig bis dreistellig zugelegt. Nvidia stieg zwischenzeitlich zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf, Microsoft baute seine Azure-Infrastruktur aus, Alphabet und Meta investierten Rekordsummen in eigene Modelle. Der Morningstar Global Next Generation Artificial Intelligence Index legte in den zwölf Monaten bis Januar 2026 rund 41 Prozent zu.
Parallel zum Aufschwung gab es Korrekturen. Im Januar 2025 liess eine Meldung über das chinesische Modell DeepSeek Nvidia an einem Tag rund 600 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung verlieren. Im Frühjahr 2025 drückten Zoll-Ankündigungen den Sektor ein weiteres Mal. Wer beide Tiefpunkte mitgemacht und durchgehalten hat, steht heute deutlich im Plus. Wer in der Panik verkauft hat, nicht.
Ein breiter Aktien-ETF wie der MSCI World oder FTSE All-World bildet den globalen Aktienmarkt nach Marktkapitalisierung ab. Damit enthält er automatisch die grössten KI-Profiteure: Nvidia, Microsoft, Alphabet, Apple, Meta und Amazon machen zusammen rund ein Viertel eines MSCI World aus. Wer einen solchen ETF bespart, hat bereits nennenswerte KI-Exposition, oft ohne es zu wissen.
Ein thematischer KI-ETF macht etwas anderes. Er verengt die Auswahl bewusst auf Unternehmen, die entweder als KI-Pure-Player gelten oder einen hohen Anteil ihres Geschäfts mit Künstlicher Intelligenz bestreiten. Drei Produkte dominieren den deutschen Markt: Xtrackers Artificial Intelligence and Big Data (WKN A2N6LC, Kürzel XAIX), WisdomTree Artificial Intelligence (WKN A2N778, WTAI) und Amundi MSCI Robotics and AI ESG Screened (WKN A2JSDA, GOAI).
Der Unterschied liegt in der Konzentration. Ein breiter Welt-ETF verteilt das Risiko auf über 1.500 Firmen aus 23 Ländern. Ein KI-ETF hält typischerweise 50 bis 100 Titel, stark technologielastig und stark US-lastig. In guten KI-Jahren läuft das besser als der Markt. In schlechten KI-Jahren schlechter. Beides mit grösseren Ausschlägen.
Der Xtrackers AI & Big Data (XAIX) bildet den Nasdaq Global AI and Big Data Index nach, umfasst rund 90 Positionen und war 2026 mit etwa 5,5 Milliarden Euro der mit Abstand grösste KI-ETF am deutschen Markt. Laufende Kosten: 0,35 Prozent pro Jahr, thesaurierend, physisch replizierend.
Der WisdomTree AI (WTAI) folgt dem Nasdaq CTA Artificial Intelligence Index und ist auf kleinere, stärker KI-spezialisierte Unternehmen ausgerichtet. Dadurch schwankt er stärker als XAIX, die Renditestreuung ist breiter, das Fondsvolumen deutlich kleiner. Kosten: 0,40 Prozent.
Der Amundi MSCI Robotics & AI (GOAI) ergänzt den KI-Fokus um Robotik und Automatisierung, mit ESG-Screening. Das macht ihn gegenüber reinen KI-Indizes weniger volatil und breiter aufgestellt. Kosten ebenfalls im Bereich 0,4 Prozent. Für einen Erstzugang zum Thema oft die konservativere Wahl.
Alle drei haben PRIIPs-Risikoindikator 5 von 7. Das ist hoch, aber für thematische Aktienfonds üblich. Wer solche Produkte bespart, sollte einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren einplanen und Schwankungen bis minus dreissig Prozent im Einzeljahr aushalten können.
Die übliche Faustregel für thematische Satelliten-ETFs im Altersvorsorgedepot: 5 bis 10 Prozent des Aktienanteils, nicht des Gesamtvermögens. Wer 70 Prozent seines Vermögens in Aktien hält und davon 10 Prozent in KI, ist also bei sieben Prozent Gesamtallokation auf das Thema.
Warum nicht mehr. Weil Welt-ETFs bereits rund ein Viertel KI-nahe Werte enthalten. Eine 10-Prozent-Satellitenposition verdoppelt das Gewicht der grössten KI-Titel im Depot, ohne die Diversifikation zu zerstören. Mehr als 10 Prozent bringt das Depot in die Nähe eines Tech-Konzentrationsportfolios, und das ist keine Altersvorsorge mehr, sondern eine Wette.
Warum überhaupt. Weil thematische Investments in frühen Wachstumsphasen überdurchschnittlich rentieren können. Die frühen Dotcom-Investoren haben den Einstieg oft zu spät, nicht zu früh, gemacht. Eine kleine, langfristige Position in einem Thema, an das man strukturell glaubt, ist eine legitime Beimischung.
Wer Nvidia 2020 gekauft und gehalten hat, liegt heute um ein Vielfaches vorn. Das ist die Geschichte, die jeder erzählt. Die Geschichten, die weniger oft erzählt werden: C3.ai, seit dem IPO Ende 2020 dauerhaft im Minus. Baidu, fünf Jahre ohne Kursgewinn. Intel, einst KI-Hoffnung, heute ein Sanierungsfall.
Die Auswahl einzelner KI-Gewinner ist ex post trivial und ex ante schwer. In der Altersvorsorge gilt: wer nicht beruflich Aktienanalyse betreibt, sollte sich auf das beschränken, was ein ETF automatisiert liefert. Einzelaktien als Beimischung sind in Ordnung, als Kern nicht.
Konzentrationsrisiko: KI-ETFs sind schwergewichtig in wenigen US-Tech-Titeln. Eine breite Benchmark wie der MSCI World ist trotz starker Gewichtung ebenfalls US-lastig, bei KI-ETFs ist es noch ausgeprägter.
Bewertungsrisiko: Einzelne KI-Aktien handeln zu Bewertungsniveaus, die zuletzt zur Jahrtausendwende zu sehen waren. Goldman Sachs und Morgan Stanley haben 2026 mehrfach auf Korrekturrisiken von 10 bis 20 Prozent hingewiesen. Das ist keine Kollapsprognose, aber auch kein Einladungsschreiben zu maximaler Quote.
Definitionsrisiko: Was in einem KI-ETF landet, entscheidet der Indexanbieter. Ein "KI-Unternehmen" kann von Nvidia (reiner Produzent) bis zu einer Bank reichen, die KI in ihrer Fraud Detection einsetzt. Der Indexprospekt gehört gelesen, bevor ein Sparplan eingerichtet wird.
Regulierungsrisiko: Die EU-KI-Verordnung ist seit 2024 in Kraft und betrifft viele der hier genannten Firmen direkt. Weitere Regulierung in den USA und China ist wahrscheinlich. Das Regulierungsrisiko ist 2026 deutlich höher als 2022.
Wer sich der Rente nähert, sollte die Satellitenquote nicht erhöhen, sondern reduzieren. Fünf Jahre vor Renteneintritt wird eine hohe Aktienquote generell problematisch, thematische Satelliten besonders. Ein Markteinbruch im falschen Moment trifft die Altersvorsorge asymmetrisch. Die Regel ist einfach: je näher der Ruhestand, desto defensiver das Depot, desto kleiner oder null die thematischen Positionen.
In der Entnahmephase selbst ist ein KI-ETF als kleine Satellitenposition weiterhin vertretbar, solange er nicht aus dem laufenden Budget finanziert wird. Entnommen wird zuerst aus defensiveren Töpfen, die thematische Position wird nur in guten Jahren rebalanciert oder geerntet. Das nennt sich "Bucket-Strategie" und ist in deutschen Ratgebern zur Entnahme gut dokumentiert.
Die acht Fragen, die in der Praxis am häufigsten kommen.
Nicht als Kern, aber als Teil. Wer einen breiten Welt-ETF bespart, hält ohnehin einen nennenswerten KI-Anteil. Wer darüber hinaus gezielt auf das Thema setzen will, nimmt einen thematischen KI-ETF mit 5 bis 10 Prozent Satellitenanteil dazu und hält ihn mindestens zehn Jahre.
Was KI in der Altersvorsorge nicht leistet: Sie ist keine Abkürzung, keine Garantie und kein Ersatz für eine Grundplanung entlang der drei Säulen. Wer die Basis nicht gelegt hat, sollte dort anfangen, nicht bei der Satellitenposition.
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